{"id":93,"date":"2016-02-23T15:58:39","date_gmt":"2016-02-23T15:58:39","guid":{"rendered":"http:\/\/goldene-linie.de\/?page_id=93"},"modified":"2016-02-23T15:58:39","modified_gmt":"2016-02-23T15:58:39","slug":"nachbarschaftsstreit-auf-hohem-niveau","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/goldene-linie.de\/?page_id=93","title":{"rendered":"Nachbarschaftsstreit auf hohem Niveau"},"content":{"rendered":"<p>Irrungen und Wirrungen zwischen dem Jeverland und Ostfriesland gab es bereits im 14. Jahrhundert<br \/>\nSonderlich gr\u00fcn waren sich Jeverl\u00e4nder und Harlingerl\u00e4nder nie. Doch eine Gilde will diese Animosit\u00e4ten sogar f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Die fr\u00fcheren H\u00e4uptlinge verfolgten eine expansive Politik. Wechselseitig versuchten sie, ihre Machtbereiche &#8218;zu vergr\u00f6\u00dfern.<br \/>\nVON WOLFGANG KOPPEN<\/p>\n<p>HARLINGERLAND &#8211; Ein wenig erinnert sie schon an die Fabel von dem Fisch und dem Vogel, die fr\u00fchere Nachbarschaft zwischen dem Jeverland und Ostfriesland. Also, Fisch und Vogel waren sich (zumindest zeitweise) in Liebe \u00e4u\u00dferst zugetan, konnten sich letztendlich aber nicht entscheiden. wo sie ihr Nest bauen sollten &#8211; auf einem Baum oder im Wasser.<\/p>\n<p>Auch wenn der Streit um die Nutzungsrechte der Harlebucht im 17. Jahrhundert sicherlich zu den H\u00f6hepunkten der Streitkultur zwischen Jeverl\u00e4ndern und Ostfriesen geh\u00f6rte, so richtig Gr\u00fcn waren die beiden Nachbarn sich aber bereits in den Jahrhunderten zuvor nicht. Die Liste der Kriege. Streitigkeiten und Scharm\u00fctzel ist lang.<\/p>\n<p>Die politische Struktur Ostfrieslands wurde von der Mitte<br \/>\ndes 14. Jahrhunderts an von sogenannten H\u00e4uptlingen gepr\u00e4gt, die eigene Herrschaften (r\u00e4umlich begrenzte Machtgebiete) gr\u00fcndeten. Zu den ersten bekannten H\u00e4uptlingen z\u00e4hlte zu dieser Zeit auf heute friesischer Seite Fredo. Der Wangerl\u00e4nder hatte in Jever eine Burg errichtet. wurde sp\u00e4ter aber von Edo Wiemken abgel\u00f6st. Im Brookmerland. der Gegend zwischen Aurich und Norden, herrschte seit 1350 Keno tom Brok als H\u00e4uptling. 1376 starb Keno, ihm folgte als Regent Sohn Ocko.Waren die Landesgemeinden vor Aufkommen der H\u00e4uptlinge eher defensiv ausgerichtet, so machten die ersten H\u00e4uptlinge eine expansive Politik, wechselseitig wurde versucht, den eigenen Machtbereich durch Krieg oder Einheirat zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n<div id=\"attachment_94\" style=\"width: 265px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-94\" class=\"wp-image-94 size-full\" src=\"https:\/\/goldene-linie.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/nachbar1.jpg\" alt=\"nachbar1\" width=\"255\" height=\"287\" \/><p id=\"caption-attachment-94\" class=\"wp-caption-text\">FOTOS: SCHLOSSMUSEUM JEVER<\/p><\/div>\n<p>Edzard der Gro\u00dfe, Graf von Ostfriesland, betrieb eine konsequente Expansionspolitik, die das Haus Cirksena zu gro\u00dfer Macht f\u00fchrte. Maria von Jever, letzte Regentin des Jeverlandes, hebelte den Versuch Graf Edzards aus, das Jeverland in seinen Machtbereich zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Dabei entwickelte die H\u00e4uptlingsfamilie tom Brok eine rasante Geschwindigkeit. Aber im Jahr 1389 schmiedeten die H\u00e4uptlingsfamilien Abdena und Folkmar Allena aus der Region um Emden ein gro\u00dfr\u00e4umiges B\u00fcndnis gegen Ocko. W\u00e4hrend der Belagerung von Aurich starb Ocko. aber ein daraufhin von Edo Wiemken initiierter Handstreich misslang.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Bedeutung im politischen R\u00e4nkelspiel der damaligen Zeit hatte auch die H\u00e4uptlingsfamilie Cirksena, allen voran Enno Cirksena von Greetsiel. der sich das damalige Emanzipationsstreben der b\u00e4uerlichen Bev\u00f6lkerung zu Nutze machte. Die zweite H\u00e4lfte des 15. Jahrhunderts wurde \u00fcberwiegend vom Machtausbau der Cirksena gepr\u00e4gt, was so selbstbewussten Herrschern<br \/>\nwie Edo Wiernken 11. und auch dem Grafen von Oldenbur nicht gefiel. Es kam zu einem Zwist zwischen den Cirksena und Oldenburg, derim Oktober 1486 durch einen Vertrag vorerst beendet wurde.<\/p>\n<p>Aber der Friede, will man ihn so nennen. dauerte nicht lange: Bereits 1492 suchten Edo Wiernken II. von Jeverund Hero Ornken. der H\u00e4uptling des Harlingerlandes, Schutz beim Bischof von M\u00fcnster und bei der Hansestadt Hamburg. Edzard, Sohn von Graf Ulrich I. Cirkse na, nahm dieses B\u00fcndnis drei Jahre sp\u00e4ter zum Anlass f\u00fcr einen Pr\u00e4ventivschlag gegen Jever &#8211; mit einer gef\u00e4lschten Urkunde hatte er bei K\u00f6nig Maximilian die Belehnung mit Jever erreicht. Aber dieser und andere Schl\u00e4ge gegen Jever und das Harlingerland misslangen.<\/p>\n<p>Erneut in Erscheinung trat Edzard dann im Juni 1517. Er eroberte die Friedeburg von den Welfen und Oldenburgern zur\u00fcck und stand schlie\u00dflich vor Jever. Die Herrschaft dort stand nach dem Aussterben der m\u00e4nnlichen Nachkommen und nachdem die Junker von Esens bereits erfolglos versucht hatten.<br \/>\nBurg und Herrschaft an sich zu rei\u00dfen, ohne rechte F\u00fchrung da. Mit Heiratsversprechen seiner S\u00f6hne gegen \u00fcber den jeverschen Erbt\u00f6chtern versuchte Edzard. das Gebiet f\u00fcr sich zu gewinnen. Der Versuch gelang &#8211; am 26. Oktober 1517 verpflichteten die Jeveraner sich vertraglich zur Unterst\u00fctzung des Hauses Cirksena vor allem gegen die Oldenburger. Zwischen 1524 und seinem Tode 1528 versuchte Edzard auch das Harlingerland seinem Herrschaftsgebiet einzuverlei ben und den Junker Balthasar,<br \/>\nden H\u00e4uptlingvon Esens, in die Knie zu zwingen. Dies gelang zwar 1530, aber mit der erfolgreichen Schlacht bei Jemgum<br \/>\n1533 gelang es dem Junker als Lehnsmann des Grafen von Geldern, seine Abh\u00e4ngigkeit von den Cirksena wieder abzu sch\u00fctteln.<\/p>\n<p>Letztendlich versagten die Cirksena aber auch gegen Jever: 1527 besetzten Edzards S\u00f6hne Enno 11. und Johann die Burg Jever und einigten sich zwei Jahre sp\u00e4ter mit GrafAnton von Oldenburg auch \u00fcber eine Auf teilung des Jeverlandes- aber diese Rechnung war ohne die drei T\u00f6chter von Edo Wiernken dem J\u00fcngeren gemacht. Maria von Jever suchte Zuflucht beim damals m\u00e4chtigen Burgund und begab sich 1532 in ein Lehnsverh\u00e4ltnis zum Herzog von Brabant. Im Herbst des Jahres belagerte Enno zwar Jever, aber Jever konnte seine Selbstst\u00e4ndigkeit dank des politischen Gewichts Burgunds wahren. Nach dem kinderlosen Tode von Maria fiel das Jeverland 1575 kraft Testament an die Grafen von Oldenburg.<br \/>\nEdzard I. starb 1528. Zu dieser Zeit hatten die Cirksena die Grenzen ihrer realpolitischen M\u00f6glichkeiten erfahren. Und damit waren die Grenzen Ostfrieslands, so wie wir sie heute noch kennen, abgesteckt. Lediglich Enno 111. konnte im Berumer Vergleich von 1600 noch das Harlingerland dem Machtbereich Ostfrieslands hinzuf\u00fc gen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irrungen und Wirrungen zwischen dem Jeverland und Ostfriesland gab es bereits im 14. Jahrhundert Sonderlich gr\u00fcn waren sich Jeverl\u00e4nder und Harlingerl\u00e4nder nie. Doch eine Gilde will diese Animosit\u00e4ten sogar f\u00f6rdern. Die fr\u00fcheren H\u00e4uptlinge verfolgten eine expansive Politik. Wechselseitig versuchten sie, ihre Machtbereiche &#8218;zu vergr\u00f6\u00dfern. 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